Unser Interview mit Ulrich Schröder

Auf dem 20. internationalen Comic Salon in Erlangen vom 16. – 19. Juni 2022 hatten wir das große Vergnügen, DEN deutschen Disney Zeichner Ulrich Schröder zu einem Interview treffen zu dürfen. Vorab fand eine Zeichen und Signierstunde mit ihm statt, die eigentlich für 1,5 Stunden angesetzt war. Aber Ulrich Schröder hat sich für jeden Fan, der sich bei ihm angestellt hat, Zeit genommen und jeder hat sein Bild von ihm bekommen. Das ging weit über die angesetzte Zeit hinaus.
 
Der Internationale Comic Salon Erlagen ist eine seit 1984 zweijährig stattfindende Veranstaltung. Er ist mit über 25.000 Besuchern das bedeutendste Comic Festival im deutschsprachigen Raum. Veranstalter ist das Kulturamt und die Stadt Erlangen (Abteilung Festivals und Programme).
 

Unser Interview mit Ulrich Schröder

Seit wann wußten Sie, dass Sie Disney Zeichner werden wollen und welche Figur gab den Ausschlag für Sie?
 
Die Figur die den Ausschlag gab war Donald Duck. Meine Mutter hat mir, als ich als Kind auf die Nase gefallen bin und geblutet habe, ein Micky Maus Heft geschenkt, in dem eine Carl Barks Geschichte drin war. Und danach habe ich immer mehr weitere Geschichten gelesen und habe mir meine Lieblingsgeschichten rausgerissen. Ich wußte damals nicht, von wem das ist und dass es eine Geschichte von Carl Barks war. Nachher stellte sich raus es gab Bücher die hießen “Ich, Donald Duck” und “Ich, Onkel Dagobert” usw.  und nachher stellte sich heraus, dass alles, was ich herausgerissen hatte, was mir am besten gefiel, alles von Carl Barks war. Und so mit 9 oder 10 wollte ich ein eigenes Micky Maus Heft machen. So habe ich angefangen das Heft zu zeichnen und zusammenzubauen aber nie zu Ende gemacht. Hab aber dann, als ich ein Foto von Carl Barks gesehen habe, gesehen, oh, das ist ein Job den man machen kann. Das würde ich gerne machen. Und hab dann angefangen zu zeichnen für die Donaldisten. Für den damals sogenannten Hamburger Donaldist. Ich habe Titelbilder gezeichnet und Illustrationen. So habe ich es gelernt. Dann habe ich Volker Reiche kennengelernt, der damals für die Holländer zeichnete. Er hat mir beigebracht, wie man die Basis der Figuren macht. Dann habe ich immer nebenbei weitergezeichnet und bin dann mit 20 zu Disney gegangen. Und hab gefragt, ob ich freiberuflich für Disney arbeiten kann. Sie hatten keine Ahnung, meinten aber “oh weißt du, wir stellen dich ein”. Dann hab ich kurz nachgedacht und so habe ich bei Disney angefangen. 
 
Und haben Sie Carl Barks mal kennenlernen dürfen?
 
Ich habe Carl Barks geschrieben als ich so 15, 16 war. Und der erste Brief, den er mir geschrieben hat, war ein vorgedruckter Brief. Auf dem alle üblichen Fragen beantwortet wurden. Z.B. können sie mir eine Zeichnung machen? Dann stand da: Nein, ich habe leider keine Zeit. Er hat aber auf den Brief eine Skizze gemacht, die ist sehr schön. Dann habe ich ihm zu seinem Geburtstag ein Bild gemacht, wo alle Figuren drauf sind, die er erfunden hat. Daraufhin hat er mir ein Foto zurückgeschickt, wo er mein Bild in der Hand hält. Ich habe danach noch mehrmals geschrieben. 1996 kam er nach Europa und da habe ich ihn zweimal getroffen. Einmal zum Mittagessen im Disneyland Paris. Und das Lustige war, ich war mit den Leuten vom Journal de Mickey da, also die ganzen Redakteuren, Zeichnern usw. Aber Franzosen schämen sich immer für ihren Akzent in Englisch oder Deutsch. Das heißt, sie reden nicht gern, weil sie denken ihr Englisch ist schlecht. Das heißt, keiner hat geredet. Und ich saß eigentlich auch dabei um zu Übersetzen, aber keiner traute sich zu reden. Dann saß ich da also neben Carl Barks und hab mit ihm 1,5 Stunden geredet, weil sich kein anderer getraut hat. Das Lustige war, neben uns saß sein damaliger Agent und ich habe gerade was über Don Rosa gesagt und der Agent wollte das abwürgen. Aber Carl Barks hat ihn nur komisch angeschaut und mit mir über über Don Rosa geredet. Abends habe ich ihn dann nochmal getroffen zum Abendessen. Da war ich mit meinem damaligen Chef. Das war ganz toll.
 
Eine wichtige Sache habe ich ihn gefragt. Wenn du heute Donald Duck Geschichten zeichnen würdest, würdest du dann moderne Sachen reinbringen um modern zu erscheinen? Z.B. Umgedrehte Baseball Caps, Walkman oder so, würdest du z.B. einen Walkman (war damals ganz aktuell) in die Geschichte reinbringen, einfach damit die Kinder denken, das ist von heute. Dann sagte er “nein, das würde ich nicht tun. Ich würde es nur machen, wenn ich mich darüber lustig machen kann. Ich würde es nicht machen, damit es aussieht als wäre es von heute. “
Interview mit Ulrich Schröder
Interview mit Ulrich Schröder
Welche Geschichten oder Charaktere zeichnen Sie am liebsten?
 
Am liebsten zeichne ich erst mal Donald Duck. Als zweitliebsten Dagobert Duck. Bei den Geschichten gibt es nicht eine bestimmte Art von Geschichten. Es gibt zwei Arten von Geschichten, die ich nicht gerne zeichne. Das sind entweder Geschichten, bei denen es sich um Frauen dreht oder wo Fahrräder drin vorkommen. Weil ich weibliche Charaktere nicht gut zeichnen kann und weil Fahrräder kompliziert sind. Aber, das einzige Kriterium für mich und das ist sehr schwer zu schaffen, das schaffen nicht viele Schreiber, ist, dass die Geschichte super aufgebaut ist. Also wenn man eine tolle Barks Geschichte liest, die ist wahnsinnig toll aufgebaut, die ist lustig, die ist spannend. D.h. ich möchte, dass die Geschichten richtig gut geschrieben sind. Das ist mein Hauptkriterium.
 
Das wäre jetzt unsere nächste Frage gewesen. Also es entsteht erst die Geschichte, dann machen Sie die Zeichnungen dazu?
 
Wenn man nicht selbst schreibt, bekommt man ein Skript. Das Skript kann geschrieben sein oder gezeichnet. Beides hat Vorteile. Wenn es gezeichnet ist, dann hat es Vorteile, weil da vielleicht Inspiration drin sein kann, die man dann selbst benutzen kann. Andererseits, wenn es gezeichnet ist, ist es sehr schwer, sich von dieser Vorlage zu lösen. Es ist beides interessant. Weil, man bekommt erst ein Skript, ob es nun gezeichnet ist oder in Textform, wie beispielsweise Asterix. Dann stehen da so Sachen wie “Donald kommt zur Tür rein, er sagt das und das”.. das ist der Anfang und dann male ich klitzekleine Skizzen. Da habe ich dann die Geschichte praktisch klitzeklein schon vorgedacht und gezeichnet. Das macht nicht jeder Zeichner, Carl Barks hat zum Beispiel alles gleich auf das finale Blatt gezeichnet. Je nachdem in welcher Zeit die Geschichte spielt, werden auch die Charaktere gezeichnet. So ist zum Beispiel in der Jubiläumsgeschichte von Donald, Donald am Anfang wie der Donald von heute gezeichnet. Und in der Geschichte reist er zurück in die Vergangenheit. In dieser Szene ist Donald dann wie Donald der 40er Jahre gezeichnet. So fängt es an, dann zeichne ich größer. Ich zeichne oft zusammen mit Dan Lippes, weil ich den ganz toll finde. Und obwohl meine Zeichnungen, so wie ich sie mache, eigentlich auch genehmigt werden würden, da ich meine Zeichnungen komplett selber mache, würde es kein Problem geben, mit dem Genehmigen. Ich schicke es aber oft zu Dan Lippes und sage “Dan kannst du da nochmal drüber gehen, siehst du einen Weg, meine Zeichnungen noch besser zu  machen?” Und dann gibts zwei Möglichkeiten. Die Eine Möglichkeit ist, dass der Dan meine Grundidee nimmt und wirklich das besser macht. Und die andere Möglichkeit ist, dass er vergisst, dass da eine Grundidee war, und eine komplett neue Zeichnung macht. Das kann dann beides passieren. Aber am Ende sieht es immer wahnsinnig aus. Egal ob er meine Idee genommen hat, oder ob er seine Idee genommen hat. 
 
Interview mit Ulrich Schröder
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Und da sind Sie dann mit einverstanden?
 
Weil es so toll aussieht, ist mir das dann egal. Meine Zeichnungen sind oft einfacher, und er verkompliziert die, weil er es kann, ich kann das nicht so gut. Insofern sieht das dann immer wahnsinnig gut aus. Insofern kann ich mich nicht beschweren, wenn es geändert ist.  Aber am schönsten finde ich, wenn man es richtig zusammen macht, dann ist das perfektes Team Work. Es macht sehr viel Spaß, mit ihm zu arbeiten.
 
Lassen Sie versteckte, private Details bei den Comics in Ihre Zeichnungen mit einfließen?
 
Ja. lass ich. Z.B. habe ich gestern Giorgio Capazano besucht. Einmal habe ich mit Dan eine Goofy Geschichte gemacht. Da ist Goofy Pizza Lieferant. Und da heißt die Pizzeria Da Giorgio und der Pizzabäcker ist Giorgio Capazano.  Und ein anderes Mal habe ich eine Geschichte gezeichnet, da kommt ein Tierladen vor. Wo man auch Hunde kaufen kann. Da habe ich in das erste Bild der Geschichte meine Frau und meine Tochter reingezeichnet. Meine Tochter will nämlich immer einen Hund haben. Und meine Tochter quengelt und zeigt auf die Tiere  und meine Frau macht mit dem Zeigefinger  “nein, nein, nein”.  Sowas mach ich manchmal, obwohl es nicht so ganz erlaubt ist. 
 
Das ist doch toll, wenn man seine Tochter und seine Frau in einer Geschichte verewigt hat, da haben sich die beiden doch bestimmt gefreut?
 
Meine Frau war nicht happy, weil ich sie da nicht sehr vorteilhaft gezeichnet habe und sie dabei auch noch schimpft.
 
Wenn Sie einen Tag lang eine Disney Figur in Entenhausen sein könnten, welche wäre das und warum?
 
Oh, da muß ich jetzt gut überlegen. Wenn ich selber aussuchen könnte wer ich da gerne wäre, ehrlich gesagt Donald Duck. Aber spaßig wird das dann nicht werden, aber interessant. Ja, ich würde mir Donald Duck aussuchen. Alles andere wäre langweilig. Das Interessante wäre dann, mir passieren oft Sachen, die auch Donald Duck passieren könnten. Einmal bin ich mit 16 in Italien mit Freunden in der Macchia rumgekraxelt. Da bin ich nachts irgendwo eine Böschung runtergerutscht. Zu der Zeit hatte ich ganz lange Haare, die alle in den Dornen drin hängengeblieben sind. Lauter völlig verrückte Sachen sind passiert. Aber während die passiert sind, was ja eigentlich schrecklich ist, hab ich aber dabei schon gedacht “oh, später werde ich mal diese Geschichte erzählen können”. Insofern stehe ich da neben  mir und kann mich während dieser eigentlich bescheuerten Situation darüber amüsieren. Also, wenn ich auf diese Art eine Disney Figur sein könnte, dann würde ich gerne Donald Duck sein. Aber Donald weiß ja gar nicht, was ihm passiert. Wenn ich so wie er Donald Duck sein sollte, dann würde ich das glaub ich nicht so gerne sein. 
 
Wie oder wann entstand die Idee zu Duckworks?
 
Das ist mein Studio. Ich habe lange bei Disney gearbeitet zuerst in Frankfurt und dann in Paris und dann ist das Büro umgezogen nach England. Mit den Kollegen, mit denen ich dort gearbeitet habe, habe ich noch Kontakt. Beim Studio sitzen wir nicht alle an einem Ort, sondern manchmal machen wir nur einen Job zusammen. D.h. einer tuscht etwas, der andere macht die Vorzeichnungen. Das ist eigentlich eine sehr lockere Sache. Wir sitzen da nicht zusammen, sondern manchen nur manchmal in verschiedenen Konstellationen Jobs zusammen. 
 
Wo kann man Sie als nächstes antreffen?
 
Das nächste was ich weiß, es kann natürlich immer noch was vorher kommen, ist im Oktober auf der Comic Con in Zürich.
 
Besuchen Sie auch manchmal Disney Parks?
 
Ich habe ja lange da gearbeitet und als Disney Mitarbeiter hat man ja gewisse Privilegien. Da bin ich oft zum Mittagessen in den Park gegangen. Einmal kurz in Peter Pan oder die Piraten der Karibik rein, dann Mittag gegessen und dann weitergearbeitet. Zu der Zeit habe ich in Paris gewohnt, da es ja leider nicht möglich ist, direkt im Park zu wohnen.
 
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